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Vom „Nasentanz“ auf dem „Plan“ und der „Vürhaltung“ 1524

Gibt es heute noch Gebäude und Plätze in Wendelstein, die der Nürnberger Schuhmacher und Poet Hans Sachs vor 500 Jahren gesehen haben könnte oder besucht hat? Informationen dazu gab die aktuelle Altortführung durch Wendelstein mit Dr. Jörg Ruthrof im Rahmen der gemeindlichen ortsgeschichtlichen Führungen mit besonderem Bezug zum diesjährigen Programm der „Kunigunde-Creutzer-Festspiele. Thematisch passende Texte und Gedichte von und über Hans Sachs von Anni Kniesburges und Bernd Kalb von der Theatergruppe des Heimatvereins ergänzten die historischen Informationen.


Die über 40 Teilnehmer der Führung bekamen am Marktplatz Informationen über Wendelstein in der Zeit um 1500, als Hans Sachs bei einem Besuch hier die junge Hoferbin Kunigunde Creutzer - eine Waise mit rechtlicher Vertretung durch zwei Nürnberger Bürger nach außen hin - kennen und lieben lernte. Wendelstein besaß damals seit kurzem das „Marktrecht“ - das herrschaftliche Grundrecht, mehrmals im Jahr öffentliche Märkte abhalten zu dürfen.

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Für den Ort bedeutete dieser wichtige Schritt das Recht, für sich zur Sicherung des „Marktfriedens“ eine Ortsmauer mit zwei Toren zu errichten, was alles um das Jahr 1500 geschah.


Von der Ortsmauer ist am Mühlbuck nur ein originales Mauerstück heute erhalten, am Marktplatz standen damals schon prägende Gebäude wie der Kernbau des späteren Gasthofs „Flaschner“, der zu Lebzeiten von Hans Sachs errichtet wurde. Ebenfalls um 1500 wurde das Haus der Bäckerei Enßer gebaut, dessen Fachwerk mit verblatteten Balken und vorkragenden Giebelstockwerken ebenfalls ein Führungshinweis galt. Am Platz oberhalb des Rathauses wurde zu Zeiten von Hans Sachs die Ortskirchweih am „Plan“ gefeiert. Als deren Höhepunkt galt der „Nasentanz“ über den er - beeindruckt oder amüsiert - ein Gedicht schrieb.


Als Wendelstein noch seinen „Plärrer“ hatte

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Bernd Kalb trug als langjähriger Akteur der Nürnberger Hans Sachs-Spiele während der Führung nicht nur den „Nasentanz“ als Gedicht in der Originalsprache des „Schuhmacherpoeten“ vor und Anni Kniesburges bereicherte mit kurzen Geschichten und Texten über Hans Sachs und seine Kunigunde die Führung. An der Stelle des früheren „Oberen Tores“ beim heutigen „Heimathaus“ an der Unteren Rathausgasse hörte vor 500 Jahren noch der Altort auf.

Eine mit Handwerkerhäusern eng bebaute „Torgasse“ führte beim Tor auf einen - bis ins 19. Jahrhundert unbebauten - offenen Platz, den örtlichen „Plärrer“.


Auch das ehemalige Nürnbergische Gerichtsgebäude im Diakoniehof - in der jetzigen Form 1736 neu erbaut und seitdem mehrfach umgebaut - war eine Station beim Rundgang. Wollte Hans Sachs als Nürnberger Bürger bei seinen Aufenthalten in Wendelstein offizielles erledigen, musste er den Vorgängerbau dieses Gebäudes aufsuchen. Vor der St.Georgskirche als Station gab es am Tor zum befestigten Kirchhof Informationen zum historischen „Mesnerhaus“, das kurz nach 1500 als örtliches Schulhaus samt Lehrerwohnung erbaut und genutzt wurde. Ein Lehrer bzw. „Magister“ ist für Wendelstein seit etwa 1520 nachgewiesen.


Auch den „Dreikönigsaltar“ in der St.Georgskirche kannte Hans Sachs eventuell

In der St. Georgskirche gab es Informationen zum „Dreikönigsaltar“ von 1510, der die Stiftung einer Nürnberger Bürgerin für die Kirche war und von Hans Suess von Kulmbach, einem Schüler von Albrecht Dürer, stammt.

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1510 war die Kirche noch katholisch und eine reich ausgestattete Wallfahrtskirche zu Ehren der seligen Achahildis mit mehreren Altären. Schon früh in der Reformationszeit wurde die Kirche 1524 evangelisch mit Zustimmung und Duldung der Reichsstadt Nürnberg und der Markgrafen von Ansbach, die in Wendelstein als Patronatsherren für die Anstellung der Pfarrer zuständig waren.

Die Führungsteilnehmer erfuhren hier über die „Vürhaltung“ der Wendelsteiner Bevölkerung an ihren ersten evangelischen Pfarrer Caspar Krantz 1524 und warum diese „Vorhaltung“ für die damalige Zeit revolutionär war.


Ein weiterer Halt war an der Marktstraße vor der Gastwirtschaft, wo Hans Sachs vor 500 Jahren damals seine „Kunigunde“ der Überlieferung nach kennenlernte. Am Badhausplatz als letzte Station der Führung oblag es nach Informationen zum Badhauswesen im Mittelalter Anni Kniesburges und Bernd Kalb mit Gedichten von Hans Sachs über die neun „Badhausregeln“ und seinen Traum vom „Jungbrunnen“ die Führung zu beenden.

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Bericht: Dr. Jörg Ruthrof


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Neben Informationen zum Badhauswesen im Mittelalter gab es am örtlichen „Badhausplatz“ zum Abschluss der Führung auch als humorvolles Finale zwei Gedichte von Hans Sachs über die neun Badhausregeln und den Traum vom „Jungbrunnen“.

Letzte Änderung: 17.06.2019 09:33 Uhr