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Kunigunde Creutzers Hof und Adenauers Zugbesuche 1957

Als Wendelstein noch ein „Kurhotel“ für Erholung und Sommerfrische hatte und wo früher Bayerns kürzeste Lokalbahnstrecke begann - beim aktuellen ortsgeschichtlichen Rundgang durch Wendelstein auf den Spuren von „Adenauer, Siedlungsbürgermeister und Kunigunde Creutzer“ waren dies zwei der Stationen.


Bei der jüngsten historischen Ortsführung durch Wendelstein war neben mehreren Stationen in der Nürnberger Straße sowie am Ludwigskanal und am ehemaligen Bahnhof auch die „Siedlung“ ein Thema. Mit etlichen historischen Häusern aus der Gründungsphase in den Jahren nach 1900 und dem Häuserbestand der im Schwabacher „Gartenheim“ aufgegangenen ehemals eigenen Wohnbaugenossenschaft ist die „Siedlung“ bis heute für deren Bewohner ein „gefühlt eigener“ Wendelsteiner Ortsteil.


 „Nürnberger Straße“ war Wendelsteins „Industrieachse“ im 19. und 20. Jahrhundert

Als Wendelstein noch ein „Kurhotel“ für Erholung und Sommerfrische hatte und wo früher Bayerns kürzeste Lokalbahnstrecke begann - beim aktuellen ortsgeschichtlichen Rundgang durch Wendelstein auf den Spuren von „Adenauer, Siedlungsbürgermeister und Kunigunde Creutzer“ waren dies zwei der Stationen. Über 30 Interessierte waren der Einladung zu diesem Rundgang mit Historiker Dr. Jörg Ruthrof gefolgt.

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Sie erfuhren, weshalb Wendelstein früher sprichwörtlich „steinreich“ war und welche Vielfalt von der „Fassondreherei“ über eine Fabrik für Dampfmaschinen bis hin zur „Mineralwasserfabrik“ an Industrie es früher in der Nürnberger Straße gab. Die historischen Informationen wurden dabei von Bernd Kalb von der Kunigunde-Creutzer-Theatergruppe durch humorvolle Texte und Sprüche ergänzt.


Der jüngste Altortrundgang durch Wendelstein führte die Interessierten entlang der Nürnberger Straße durch „Wendelstein am Berg“ - den Bereich von Wendelstein, der nördlich der Schwarzach liegt. Die Schwarzach bildete in der heutigen Gemeinde früher nicht nur die Grenze zwischen der Reichsstadt Nürnberg und der Markgrafschaft, sondern auch eine Grenze der Kirchenpfarreien. Wer am Sonntag im Mittelalter von der Bevölkerung „am Berg“ in die Kirche gehen wollte, hätte eigentlich bis nach Kleinschwarzenlohe in die Allerheiligenkirche gehen müssen. Üblicherweise gingen die Leute damals trotzdem zur näheren St. Georgskirche im Altort.


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Mit Gründung des Königsreiches Bayern 1806 folgte auch die Modernisierung des Postwesens: Direkt an der alten Postkutschenroute nach Nürnberg gelegen, wurde der Gasthof „Goldenes Herz“ an der Schwarzach - die erste Station des Rundgangs - für viele Jahre zur örtlichen „Post-expedition“ mit Postkutschenstall. Auch Wochenendausflüge aus der Stadt als feste Institution und „Erholung“ von der Arbeitswoche wurden im 19. Jahrhundert modern.

Ein Beispiel des zeitgenössischen Freizeitangebots ist das ehemalige „Kurhotel“ am „Doktersbuck“, das heute in veränderter Bauform nach mehrmaliger Umnutzung das „Neue Rathaus“ der Marktgemeinde ist.


Handwerk und Industrie ergänzten sich

In der Nürnberger Straße als „Industrieachse Wendelsteins“ fanden nicht nur Handwerksbetriebe während des 19. Jahrhunderts für ihre Werkstätten genug Platz - auch neue Industrien siedelten sich hier an. So war die „Fabrik“ von Johann Ruttmann - in der Dampfmaschinen gebaut wurden - direkter Nachbar des herrschaftlichen Anwesens der Steinbruchbesitzerfamilie Ammon-Jegel. Von dieser Branchenvielfalt profitierten zudem die Handwerker und die Geschichte der Firma Reu zeigt dies deutlich: 1907 als Möbeldrechslerei hier gegründet, wandelte sie sich zur Füllfederhalterfirma „Wende-Reu“ und arbeitet heute am Richtweg als moderne Firma mit Kunststoffen.


Direkt am Ortsrand wurden in der „Fassondreherei“ Engelhardt Schrauben und Gewinde hergestellt und auch an die „Mineralwasserfabrik“ der Familie Reck-Sickenberger wurde im Rahmen der Führung erinnert. Die nächsten Stationen lagen direkt am „Ludwig-Donau-Main-Kanal“: Am alten Kanal standen der Warentransport mit Kanalschiffen und der spätere Konflikt um den schnelleren Gütertransport in direkter Konkurrenz zwischen Schiff und Eisenbahn im Mittelpunkt.

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Am alten Bahnhofsgelände der Lokalbahnlinie Wendelstein-Feucht mit nur 5,3 km Länge ging es zudem um den berühmtesten Fahrgast auf dieser Linie 1957, Bundeskanzler Konrad Adenauer.


Als „dritter Ortsteil Wendelsteins“ gehört außerdem die „Siedlung“ am Ludwigskanal zur Industriegeschichte: Von Handwerksmeistern nach 1900 als neue Siedlung gegründet, entstand in der Nachbarschaft in den 1920er Jahren auch eine Baugenossenschaft, die 1942 zwangsweise mit dem Schwabacher „Gartenheim“ fusionierte.

Passend zum aktuellen örtlichen Theaterjahr in der Gemeinde über Kunigunde Creutzer und ihren Hans Sachs galt zum Abschluss der Führung ein Blick auch dem jetzigen „Bergbauern-Hof“ der Familie Löhlein, aus dem Kunigunde Creutzer stammte und dessen Grundbesitz für Hans Sachs sicher auch ein Heiratsgrund war.

Bericht: Dr. Jörg Ruthrof

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Letzte Änderung: 28.05.2019 16:51 Uhr